
Der Heimatforscher und Autor Peter Käser hat 2006 nach fünfjähriger Forschungsarbeit das fast 400-seitige Buch „Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt Vilsbiburg“ herausgebracht. Ein geschichtlicher Abriss über die früheste Nennung von „pipurch“, der Kirche und der Pfarrei, durfte darin natürlich nicht fehlen. Es sind die Jahre von 990/1000 bis 2006: Die derzeit früheste Nennung von „pipurch“ mit dem Haarbach und der Vils. Dann einer Vilsbiburger Kirche, (nicht Pfarrkirche) in einer Urkunde vom 12. Juli 1265: Es gibt eine Auseinandersetzung zwischen dem Regensburger Bischof und dem Landshuter Herzog um das Patronatus Ecclesiarum in Filspiburch, – dem Patronatsrecht auf die Vilsbiburger Kirche. Hier ging es nicht um Aspekte der Seelsorge, sondern ausschließlich um wirtschaftliche Belange – um den Schutz und das Einkommen der Kirche. Herzog Heinrich XIII. konnte das Patronat für sich entscheiden, und somit war die Kirche seiner Stadtgrünung an der Vils, eine herzogliche Eigenkirche. Dem Bauprinzip einer Wittelsbacher Stadt nachvollziehbar, kann es auch für Vilsbiburg denkbar sein, dass sich die (Ur-)Kirche innerhalb der mit Mauer, Wall, Graben und Zaun befestigten Stadt befand. Dann wird am 11. März 1322 in einer Urkunde der Vilsbiburger Pfarrer mit seinen zwei Pfarrgesellen genannt. In einer neueren Untersuchung zu den Pfarreien im Bistum Regensburg wurde man 1970 auf Ungenauigkeiten in den früheren Interpretationen aufmerksam: Die ältesten Pfarreinennungen im Bistum Regensburg gehen mindestens auf das Jahr 1326 zurück, – also vor genau 700 Jahren.
Neuere Untersuchungen
Für die Geschichtsforschung in unserem Heimatraum sind die frühesten Aufzeichnungen von Dekanaten, Pfarreien und Kirchen sehr wichtig. Im Bistum Regensburg beginnen diese im Jahr 1326. Schon im Jahr 1970 wurden in den „Verhandlungen des Historischen Vereins für die Oberpfalz und Regensburg“, Band 110 auf Seite 7-33 vom Regensburger Bistums-Archivdirektor Dr. Paul Mai, die Pfarrverhältnisse des Bistums Regensburg aus dem 14. Jahrhundert genauer unter die Lupe genommen. Dabei stellte sich heraus, dass die vom Mettener Stiftsarchivar Pater Wilhelm Fink O.S.B. gemachten Angaben der Pfarreien im Regensburger Bistum vom Jahr 1286, nicht stimmen können. Die ältesten Pfarreinennungen aus dem Jahr 1326, wurden im Pfarreienverzeichnis des Bistums Regensburg, von Monsignore Joh. Bapt. Lehner niedergeschrieben. Dr. Marianne Popp († 2005) hat 1972 in: Das Handbuch der Kanzlei des Bischofs Nikolaus von Regensburg (1313-1340), Nr. 103a, die Pfarrei-en des Jahres 1326 neu bearbeitet, und darin wird auch die Pfarrei Vilsbiburg genannt. Es fehlen die Namen der Pfarrer und auch die Kirchenpatrozinien. Durch die höhere Anzahl von Seelsorgestellen lässt sich vom ersten Verzeichnis (1326) zum Zweiten (1350), der Weg des Ausbaues der Pfarrorganisationen gut nachvollziehen.
Im Verzeichnis Registrum subsidii charitativi, einer Steuerabgabe an den Regensburger Bischof vom Jahr 1326, ist die Pfarrei Vilsbiburg sehr wohl genannt. Eine Mehrung oder Verringerung der Pfarreien im Dekanat hat es von 1326 bis etwa 1350 nicht gegeben, – es sind vierzehn Pfarreien. Der Dekanatsort hatte aber gewechselt. War im Jahr 1326 die Pfarrei Vilsbiburg beim Dekanat Kirchberg, wo auch der Wohnort des Dekans war, so war 1350 die Pfarrei Vilsbiburg beim Dekanat Dingolfing, „vel“ (= oder, vielmehr) Loiching. Zu den Pfarreien des Dekanats Kirchberg im Jahr 1326 gehörten: Kirchberg, Gertzen (= Gerzen), Dingolfing, Lutzenchirchen (= Loizenkirchen), Piburch (= Vilsbiburg), Viehpach (Nieder-, Oberviehbach), Aychach (Nieder-, Oberaichbach), Leuching (= Loiching), Punnapiburg (= Binabiburg), Seboltzdorf (= Seyboldsdorf), Aetelkofen (= Adlkofen), Gayndorf (= Gaindorf), Aych (= Aich) und Trauttelchofen (= Treidlkofen). Die Pfarrei Vilsbiburg machte eine Abgabe von sieben Schillinge an den Bischof, ebenso die Pfarreien Dingolfing, Binabiburg und Adlkofen. Nach den Aufzeichnungen im Verzeichnis „Registrum“ um 1350, wechselt der Dekanatsort zwischen Dingolfing und Loiching. Hier wird Vilsbiburg auch mit dem richtigen Ortsnamen geschrieben; die Pfarrei gibt 12 Schillinge an den Regensburger Bischof.
Die derzeit älteste urkundliche Nennung einer Pfarrei Vilsbiburg geht auf den 19. August 1337 zu-rück: Bischof Nikolaus von Regensburg teilt dem „plebano“ mit, dass die Juden, wohnhaft in der Stadt und aus euerer Pfarrei, das Hochstift Regensburg beraubt haben, und die Sachen in die Stadt gebracht haben. Der Bischof will das Verlorene wieder eintreiben und hat das auch den Juden wissen lassen. Er fordert die Mitwirkung der Vilsbiburger Bürger und des Pfarrers, dem er sogar mit der Enthebung vom Amt droht. Sollte der Pfarrer dies missachten, soll er gemäß der Konstitution des Konzils von Vienne des heiligen Kultus verlustig gehen, und die Pfarrkirche und der Pfarrer werden sofort oder später dem Kirchenbann unterworfen. Nun haben wir in der frühen Vilsbiburger Kirchenge-schichte genaue Nennungen mit einer herzoglichen Kirche im Jahr 1265, einem Pfarrer mit zwei Pfarr-gesellen 1322, der Pfarreinennung des Bistums Regensburg im Jahr 1326, und der ältesten urkundlichen Nennung des Pfarrers und der Pfarrei im Jahr 1337.
Ein Jahr nach der Nennung des Pfarrers Seifrit Smautzhauser und seiner beiden Pfarrgesellen Hartmann und Seifrit, werden von den bayerischen Herzögen am 6. März 1323 im I. Freiheitsbrief der Stadt Vilsbiburg, die Freiheiten und Privilegien beurkundet, die auch schon von ihren Vätern und Vettern „unserer Stat und den Bürgern zu Byburg“ erteilt wurden.
Das Buch „Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt Vilsbiburg“, kann im Buchhandel und an der Kasse des Museum Vilsbiburg zu den Öffnungszeiten erworben werden.
Berichte im Internet unter: www.museum-vilsbiburg.de
Peter Käser


